Industrie 4.0 Konferenz Baden-Württemberg:

 

Am 17. Juli 2015 veranstaltete die Landesregierung von Baden-Württemberg den Kongress Digitaler Wandel.
Eröffnungsrede von Ministerpräsident Winfried Kretschmann: Baden-Württemberg vor der digitalen Herausforderung und 14 weitere Videos der Konferenz, mit Vorträgen hochkarätiger Manager, Firmengründer und Forschern von Hochschulen und aus der Wirtschaft.

Siehe auch: Webseite zum Kongress >

 

 

 

Technologie- und Innovationsmanagement an der RWTH Aachen:

Vortrag von Professor Frank Piller | Geschäftsmodelle für Industrie 4.0 | Industrie 4.0 Konferenz Amberg

Weitere Vorträge von Professor Frank Piller auf dem Youtube Kanal >

Firmen die im Vortrag von Prof. Frank Piller genannt wurden:


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CeBIT 2014: Keynote zu Industrie 4.0 von Prof. August-Wilhelm Scheer:

Auch zu empfehlen der aktualisierte Vortrag von der CeBit 2015 der zum Teil noch auf weitere Punkte eingeht

Siehe Youtube >

Im Vortrag von 2014 war die Graphik nicht sichtbar, deswegen hier als Screenshot eingefügt:

Schema von Prof

Text

 

 

 

 

 

Ein neues Kapitel unserer Zivilisation wird aufgeschlagen:

Smarte Technologien erobern die Welt!

Chance oder Untergang?

 

Einstieg ins Thema

 

Um es gleich vorweg zu nehmen: die „4. Industrielle Revolution“ – gekennzeichnet durch die Digitalisierung, Automation, Sensor-Technologien, BigData, Netzwerken und Kommunikation, wird in allen Bereichen der Wirtschaft stattfinden, und die Auswirkungen werden auch unsere Lebensweise, die sozialen Strukturen oder die wesentlichen Themen in der Politik verändern.

 

„Revolution“ klingt irgendwie bedrohlich, oder? Wenn Sie das „R“ jedoch weglassen, bleibt der Kern: Evolution (von: lat. „evolvere“ = „entwickeln“). – Das scheint dann doch wieder positiver zu wirken. Aber vergessen Sie nicht, dass beides auch zusammengehört, wie Yin und Yang in der Chinesischen Philosophie.

Auch wenn längerfristig unter dem Strich echte Mehrwerte entstehen, wird es kurzfristig Gewinner und Verlierer geben. Das Prinzip von Yin & Yang ist nicht nur eine philosophische Betrachtungsweise, es kann auch als Prinzip der Natur überall beobachtet werden.

 

Menschen streben bevorzugt nach Harmonie, wir verdrängen gerne alles was dem zuwiderläuft, bevorzugen einfache und klare Lösungen und lassen uns nicht gerne aus der Ruhe bringen.

Wer in Bezug zur 4.Industriellen Revolution nun einfach die Scheuklappen aufsetzt, in der Hoffnung, dass der Spuck dann schon irgenwie vorbeizieht, der wird wahrscheinlich ein unerfreuliches Erwachen auf seiner rosaroten Wolke erleben. – Als Zeitfenster für die Schweiz, könnte man in etwa die Periode 2015-2025 definieren, obwohl der Trend in einzelnen Sektoren und verschiedenen Ländern teilweise schon ein paar Jahre früher begann und in weniger Industrialisierten Ländern, natürlicherweise auch erst viel später einsetzen wird.

 

Eine vertiefte und differenzierte Auseinandersetzung mit der Materie könnte deshalb jedenfalls nicht schaden. Dabei sollte man möglichst weit über den Tellerrand der eigenen Komfort-Zone hinausblicken, denn eine oberflächliche Betrachtung aus einer rein technologischen Perspektive und was dies für die eigene Unternehmung bedeutet, respektive: „wie könnten wir unsere Prozesse entsprechend anpassen“, genügt den Anforderungen definitiv nicht.

Eher sollte sich jeder die Frage stellen: wie wird sich die Welt und die Märkte sowie der globale Handel, durch das Internet of Things, den Smart Industries, Big Data, usw. in den nächsten 5, 10, 15 Jahren verändern?

 

Erfahrungen über die komplexen Zusammenhänge in der Ökonomie, helfen dabei, die Gesetzmässigkeiten, die Mechanik besser zu verstehen, die den Handel und die Produktion der Güter, im derzeit fast unbegrenzten Welt-Wirtschafts-System auf der Makro-, Meso- und bis hinab zur lokalen Mikro-Ebene antreiben. Die Ergebnisse aus den historischen Prozessen jedoch als Basis heranzuziehen um daraus Trends der Zukunft zu extrapolieren, könnte ein grober Fehler sein. – Das dem so ist zeigen Beispiele aus der Vergangenheit des Internets:

 

Nach dem Platzen der DotCom-Blase an den Technologie-Börsen im März 2000, bekamen all die Skeptiker Aufwind die es schon immer besser wussten. – Wer danach, mit einem Zeitfenster von nur 15 Jahren, eine der folgenden Tatsachen für das Jahr 2015 prognostiziert hätte, wäre vermutlich für verrückt erklärt worden:

 

  • Das alleine durch SMS pro Jahr ein Umsatz von 100 Milliarden $ erzeugt würde. (Artikel)

 

  • Das in einigen Jahren (2004) eine „Soziale Plattform“ für Studenten entstehen würde um Partys oder andere Aktivitäten zu organisieren, und das diese Plattform (Facebook) dann innert nur 10 Jahren 1,65 Milliarden aktive Nutzer haben könnte.

 

  • Das von den 100 wertvollsten Unternehmen, mit Apple an der Spitzenposition, jedes 5. im IT / Comtech Bereich tätig ist. (Artikel) & (Wikipedia) und das von den reichsten 10 Personen rund die Hälfte ebenso in diesen Branchen tätig ist. (Wikipedia)

 

  • Das ein Unternehmen wie UBER (mit Freizeitfahrern) eine weltweite Bedrohung für die lokalen Taxi-Unternehmer werden würde.

 

  • Das Internetplattformen wie Trivago, Hotel.com, eBookers, usw. den Individualreisemarkt beherschen würden.

 

Die Liste liesse sich um den Faktor X erweitern, wenn man auch alle Player von nationaler Bedeutung in die Betrachtung einbeziehen würde. Ein Beispiel aus der CH wäre zB. der Online-Händler Brack (Competec) ein Unternehmen das von Roland Brack in den 80er Jahren gegründet wurde und ab der Jahrtausendwende richtig durchstartete.


 

Keines dieser Beispiele wäre zuvor als realistisch eingestuft worden…

Dabei handelt es sich um Entwicklungen die bereits auf der Basis der 3. Industriellen Revolution, der Umstellung von analogen- zu digitalen-Technologien, erfolgten.

Im Vergleich zur 3. Industriellen Revolution, die ja schon unverkennbar gewaltige Veränderungen bewirkte, ist das Internet of Things (IoT) / die 4. Industrielle Revolution, noch einmal ein richtiger Quantensprung, wobei hier nicht nur eine Technologie neu aufgesetzt wird, welche in Folge dann weitere Entwicklungen auslöst, sondern ein ganzes System an neuen Technologien die, sich gegenseitig ergänzend, die Einsatzmöglichkeiten weiter potenzieren.

Für das Jahr 2020 werden nach gegenwärtigen Prognosen bereits 50 Milliarden Sensoren, mobile Endgeräte oder Machinen mit dem IoT verbunden sein. Der weitere Zuwachs wird vermutlich exponentiell sein, weil durch jede Zunahme eine überproportionale Potenzierung der Möglichkeiten und weitere Skaleneffekte entstehen.

 


Konklusion:

Nichts ist zu abwegig, um es nicht in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Wie fatal sich eine Fokussierung auf die eigenen angestammten Kernkompetenzen und deren technologische Weiterentwicklung für ein Unternehmen auswirken kann, zeigt das Beispiel von Kodak.

Obwohl das Unternehmen eines der bekanntesten Brands darstellte und über ein hervorragendes technologisches Know-How verfügte, hatten sie nicht erfasst, welche Marktchancen sich, nebst ihrem angestammten traditionellen Kerngeschäft, durch die erst aufkommenden „Sozialen Plattformen“, eröffnen würden.

Dadurch wurde das einst grösste Unternehmen in diesem Marktsegment, nahezu dem Untergang preisgegeben. Lediglich etwa 10% des Unternehmens konnten gerettet werden. (Wikipedia/Kodak)

Dieser Sachverhalt ist um so tragischer da, gleichzeitig zum Niedergang von Kodak, bereits Picasa, Flickr oder Photobucket gegründet wurden und auch Instagram, das erst 2010 gegründet wurde, und bereits eineinhalb Jahre danach bei einem Bestand von 12 Mitarbeitern und ohne Gewinn, durch Facebook für 1Milliarde USD übernommen wurde. (Wikipedia/Instagram)

 

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Definitionen & Merkmale

Internet of Things (IoT), Smart Industries, Industrie 4.0, BigData, 4.Industrielle Revolution, sind Begriffe die jeweils im Zusammenhang gesehen werden sollten, aber individuell auch eine bestimmte Bedeutung haben:

Internet of Things (IoT): stellt das gesamte verbundene System dar, das sind alle Netzwerke und Protokolle, Sensoren in – Maschinen, -Anlagen, -Wearables, -Fahrzeugen oder anderen Verkehrs- und Transportmitteln, Sensoren für Wetter- und Umwelt-Datenmessung,  M2M & M2H – Kommunikation, Tracker in der Logistik, ortsbezogene Proximity Technologien mit Beacons Bluetooth 4.0 / oder classic oder mit RFID, sowie das klassische Internet, Datenbanken sowie Big Data für die Verarbeitung aller Daten zur Auswertung / Anwendung in unterschiedlichsten automatisierten Prozessen, in Forschung & Entwicklung, Dienstleistung, Industrieller Fertigung, Logistik, Home-Automation, Umweltschutz und alle anderen erdenklichen Anwendungen.

Smart Industries: bezieht sich nicht nur auf industrielle Unternehmungen, sondern steht für Unternehmen in allen Branchen, die ihre Geschäftsprozesse  durch digitale Unterstützung weitgehendst automatisiert haben. Unter der deutsch-sprachigen Bezeichnung: Industrie 4.0, versteht man wohl das gleiche, jedoch primär auf industrielle Unternehmen bezogen, die Abgrenzung zu den weiteren Branchen wird sich vermutlich jedoch verflüchtigen.

Big Data: „das Hirn des Systems“

Die 4.Industrielle Revolution: ist die Bezeichnung für die Transformation, den Umbau der Wirtschaft, aller Branchen, im Kontext zum Internet der Dinge, Big Data, Sensortechnologien, Automatisierung, usw.

 

Die 1. Industrielle Revolution, war der Beginn der Industrialisierung:

Um die Begriffe: „Industriellen Revolution“ und  „Disruptive Technologien“ aber auch das „Phänomen der Emergenz“besser zu verstehen, lohnt sich auch hier ein Blick zurück in der Geschichte der Industrie.

Die Derwent Valley Mills  in Cromford, in der Grafschaft Derbyshire, gehören zum UNESCO – Weltkulturerbe und gelten als die Geburtsstätte der Industrialisierung (ab 1771). Mit dem damit verbundenen Prozess, wurde erstmals nicht mehr handweklich in einer Manufaktur etwas produziert, sondern industriell, durch Maschinen. Dies war so effizient, dass die in den USA, Agypten oder Indien geerntete Baumwolle, nicht mehr im eigenen Land zu Garn gesponnen wurde, sondern nach England verschifft, dort in den Derwent Valley Mills zu Garn für die Webstühle gesponnen und anschliessend wieder mit dem Segelschiff zurück in die USA und die anderen Länder transportiert wurde.

Wenn man bedenkt, wie kostspielig Seefracht in jener Zeit war und das jede Reise auch mit dem Verlust von Schiff und Fracht enden konnte,  und die Arbeitskosten in den USA, durch die Sklavenhaltung (bis 1865) sehr tief waren, dann muss die Wertschöpfung durch die neuen Produktionsmethoden, enorm und der Preis dennoch sehr konkurrenzfähig gewesen sein, sodass sich der Aufwand auch für beide Seiten lohnte.

Durch diesen Umstand, flossen neue Einnahmen nach England und die Ingenieure im Königreich konnten ihr KnowHow nun auch zur weiteren Entwicklung in der Metallverarbeitung, dem Maschinenbau, der Dampfmaschinen usw. nutzen. – Spinnmaschinen und Webstühle wurden später auch in die Schweiz exportiert, und wegen den hohen Anschaffungskosten, Notabene durch unsere Vorfahren, unter Missachtung des Patentschutzes, einfach kopiert.

Siehe auch: Wikipedia: Industrielle Revolution sowie: Technik in der Industrialisierung


Die Merkmale einer Industriellen Revolution:

1.) Sie ist emergent: eine Industrielle Revolution wird ja nicht vorausgeplant, sie entsteht in einem Umfeld, dass eine derartige Entwicklung begünstigt und tritt dann, oft von der Mehrheit unerwartet, spontan auf.

2.) Sie hat immer auch eine disruptive Wirkung, weil sie Bestehendes zerstört und Arbeitsplätze vernichtet, gleichzeitig aber auch neue Arbeitsplätze mit höherer Wertschöpfung erzeugt. Ohne flankierende Massnahmen und eine engagierte Governance durch den Staat, kann sie wirtschaftliche Verwerfungen und soziale Unruhen hervorrufen.

3.) Sie entsteht meistens durch eine neuartige technische Lösung, ermöglicht neue Produkte und Geschäftsmodelle und dringt dann, in angepasster Form, in alle Wirtschafts-Branchen ein und verbreitet sich global.

4.) Die soziale Wirkung ist äusserst vielfältig und tiefgreifend bis ins Unterbewusste hinein und verändert die Art und Weise wie wir leben.

 

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Jede ((R)-Evolutionsstufe baut auch auf dem vorgängigen Entwicklungsstand auf:

  • 1. Industrielle Revolution: Von der Manufaktur zur maschinellen Fertigung in Fabriken.
  • 2. Industrielle Revolution: Angetrieben durch die Elektrifizierung.
  • 3. Industrielle Revolution: Von Analog zu Digital.
  • 4. Industrielle Revolution: Die Vernetzung der Dinge und die Automatisierung der Prozesse.

 


 

Derwent Valley Mills | THE VALLEY THAT CHANGED THE WORLD | Definition Fabrik | Industrielle Revolution | Emergenz | Disruptive Technologie


 

NB: Die Definition, der ersten 3 Industriellen Revolutionen, ist umstritten; wie bei vielen Historikern üblich, werden oft national unterschiedlichste Sichtweisen vertreten, um ideologische oder chauvinistische Ansprüche zu befriedigen.

Je nach dem, welche Erfindung, in welchem Land gemacht wurde, schreibt man ihr eine höhere Bedeutung zu. – Entscheidend für meine Darstellung, war das Kriterium, ob eine Technologie in allen Branchen Fuss fasste und dort zu neuen Branchen-spezifischen Anwendungen oder weiteren technischen Entwicklungen führte und inwiefern diese Technologien bis heute (auch als Vorstufe), im Rahmen der folgenden Industriellen Revolution, weiterbestehen.

Für die vorindustrielle Manufaktur (Handwerk), für die Industrialisierung (Logistik & Maschineneinsatz), für die Eliktrizität (Elektrifizierung & analoge Technologien), für die Digitalisierung (Computer, Internet usw.), trifft dies zu.

Umgekehrt sind zB. Automobile mit Verbrennungsmotor, eine sehr erfolgreiche Sache, aber es gab bereits lange vor den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, Elektromobile, die übrigens auch bis heute in England zB. für die Milchmänner, die früh-morgens in den Wohnvierteln Milch, Butter & Käse ausliferten. – Kein Lärm, keine Abgase, keine technischen Probleme durch die unzähligen Stopps & Anfahrten, sehr langlebige zuverlässige Technologie. siehe auch: Wikipedia / Geschichte des Elektroautos

Letztlich setzt sich die bessere Technologie auch gegen alle Widerstände der Erdölindustrie auch bei den Fahrzeugen durch. Ebenso in der Heizungstechnik.

Vielfach wird das Argument der grösseren Reichweite und der Verfügbarkeit (Logistik über Tankstellennetz) zu Gunsten der Energieversorgung der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, ins Feld geführt. – Dabei wird unterschlagen, dass die Wasserstoff / Sauerstoff – Brennstoffzelle (somit ebenfalls Elektrotechnologie) lange vor den Verbrennungsmotoren bereits erfunden war.

Erfolgreich war somit nicht die Technologie der Verbrennungsmotoren, sondern das Geschäftsmodell von Standard Oil und den anderen Erdöl-Gesellschaften, die mit allen Mitteln die Elektromobilität zu verhindern wussten und dadurch für lange Zeit die Spitze der grössten Unternehmen, weltweit innehatten.

Umweltverschmutzungen mit teils gigantischem Ausmassen, Korruption und initiierte Staatsstreiche sowie fast alle Kriege seit den 30er Jahren, sind die Früchte dieser Industrie, die im wirklichen Sinne als äusserst disruptiv (zerstörerisch) bezeichnet werden muss.


Eine echte Industrielle Revolution, ist natürlich ebenfalls disruptiv (zerstörend) aber diese Wirkung entfaltet sich aus dem einfachen Grund, weil sie eine veraltete Technologie, durch etwas besseres ersetzt. Im Ergebnis werden auch Jobs obsolet, aber es entstehen gleichzeitig auch neue interessante Berufe und neue Geschäftsmodelle.

Bei den Geschäftsmodellen gilt es zu unterscheiden, zwischen Unternehmungen die einerseits verantwortungsvoll echte Mehrwerte erzeugen und dadurch den Wohlstand aller Steakholder und auf allen Ebenen fördern, und damit auch berechtigterweise einen erheblichen Gewinn erzielen sollten, und andererseits Unternehmungen die versuchen mit ausgeklügelten Strategien, eine Markt-beherrschende Position zu erringen, die eine absolut parasitäre Strategie verfolgen, die unter dem Strich keine Mehrwerte erzeugt, sondern nur eine Umverteilung des Kuchens bewirkt.


Zwei Beispiele dafür sind:

Im positiven Sinn: Tesla, ein Unternehmen, dass unglaubliche Summen in die Entwicklung seiner Fahrzeuge und das Netz von Ladestationen investiert hat, die Technologie für den Nachbau jedoch kostenlos freigegeben hat und auch die Wahl der Stromaufladung für den Kunden frei wählbar lässt.

Ob Tesla mit den Akkus oder der Software sowie den Daten, in Zukunft Geld verdient, wird die Zukunft zeigen, bedenkt man, dass auch weitere Automobilhersteller durch den Erfolg von Tesla endlich vorwärts machen, liegt es auf der Hand, dass das Unternehmen langfristig nur durch überzeugende Leistungen weiteren Erfolg und vielleicht auch einen schönen Gewinn erzielen wird.


Im negativen Sinn: Die meisten Hotel & Reiseportale, Vermittlungsportale wie UBER, Handwerkerportale, Einkaufsportale usw.

Das Geschäftmodel dieser Unternehmen ist relativ einfach gestrickt: In der Regel bietet man in der ersten Phase, Unternehmen die in einer Branche eine Leistung anbieten und erbringen, eine günstige Werbeplattform an, um (so dass Versprechen / Lockvogel) mit der Gewährung von Preisermässigungen, neue Kunden zu gewinnen.

Das Portal investiert in dieser Phase relativ viel in den Aufbau durch Werbemassnahmen.

Die Produkte werden durch die Anbieter generiert und auch aktualisiert, die Endkunden geben Bewertungen ab, laden Ferienfotos hoch und füttern das Forum mit Infos.

Sämtliche Informationen zur Transaktion zwischen Anbietern und Endkunden, wie zB. eMailadressen, Anschrift, Bankverbindung, Tel. usw. verbleiben beim Portal-Betreiber. – Dadurch wird der Endkunde ausschliesslich zum Kunden des Portal-Betreibers. Der Anbieter einer Leistung wird somit keine echte Anbieter- / Kunden- Beziehung aufbauen können, was er allerdings in der Regel zu spät bemerkt, denn erst wenn der Portal-Betreiber eine entsprechende Marktdurchdringung erreicht hat, wird er seine nun marktbeherrschende Stellung nutzen und die Kommissionen soweit erhöhen, dass dem Anbieter nahezu der Nettogewinn weg schmilzt.

Die Rechnung ist schnell gemacht: Wenn ein Hotel vorher im besten Fall einen Nettogewinn von 5% erwirtschaftete und nachher 18% (bei üblichen Ansätzen von 15-25%) Vermittlungskommission abtreten muss, dann ist es bei einem Anteil von 30% der Buchungen über ein Portal, bereits mit -o,4% im roten Bereich und müsste bei einem Personalaufwand von 40%, die Lohnsumme um 1,60% kürzen, oder bei 10% Rückstellungen für Ersatz & Renovation eine Einsparung von 6,40% vornehmen.

Den Vertriebskanal über die Plattformen aufzugeben, ist mit dem Risiko verbunden, dass bei einer Belegung von 60%, ein erheblicher Anteil wegbricht, so dass lediglich eine Auslastung von 42% verbleibt, was für ein Hotel die Aufgabe der Geschäftstätigkeit zur Folge hätte.


Das Taxi-Fahdienst-Vermittlungs-Unternehmen UBER, tritt noch aggressiver auf: zu Beginn werden die Fahrten der Fahrer, finanziell unterstützt. Wohin die „Reise“ dann in der Folge geht, zeigen die Meldungen aus den USA:

Vermittlungsprovisionen: Uber erhöht auf 30%, MyTaxi führt sieben Prozent ein.

Und das bei Fahrpreisen die massiv unter den früheren, Branchen-üblichen Fahrpreisen liegen. – Weiter kann man feststellen, dass UBER sich über bestehende Gesetzte, in mehreren Europäischen Ländern, in denen die Taxigewerbe durch nationale oder auch kommunale Gesetze reguliert sind, und nebst den Zulassungen die einen einwandfreien Leumund des Fahrers sowie eine gewerbliche Haftpflicht-Versicherung zugunsten der Fahrgäste eine Bedingung sind, hinwegsetzt, mit der Begründung, dass UBER kein Taxigewerbe betreibe und Vermittlungen über das Internet, keiner Zulassung bedürfe.

Verbote durch Behörden oder Gerichte wurden durch UBER dahingehend kommentiert, dass sie dadurch in unzulässiger Weise, in der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit behindert würden und ihnen daraus ein enormer finanzieller Schaden erwachsen würde.

Vorläufige Niederlage für Uber in Genf


Geradezu grotesk mutet in diesem Zusammenhang, die Haltung einzelner Politiker an, die auch hierzulande dem TTIP – Abkommen, zwischen den Ländern der EU und den USA, zugunsten und im Namen des „freien Handels“ das Wort reden.

Sie verkennen dabei völlig, dass gerade solche Geschäftsmodelle durch die USA nicht nur durchgeboxt sondern auch anschliessend mit aller Macht geschützt werden, und das dieses „Rechtskleid“ durch das angestrebte Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und den Ländern der EU, auch über die Schweiz gestülpt werden wird. – Schadenersatzforderungen im Milliardenbereich vor US-Schiedsgerichten werden folgen. Nicht nur im Kontext zu UBER, auch bei genveränderten Lebensmitteln, Finanzen & Versicherungen, Transportwesen, oder bei der Vergabe / Ausschreibung von IT-Infrastruktur oder der Speicherung sensibler Daten, wenn die günstigeren US-Server benachteiligt werden oder hochpreisige Medikamente nicht auf die Medikamentenliste aufgenommen würden.


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Ökonomische Prozesse & Potenziale

Alles hat seine Zeit. Nichts bleibt auf Ewig wie es ist, es ist ein Kommen und Gehen, Geburt und Tod und damit auch Veränderung, sind ein Merkmal unseres Ökosystems und ob selbst die Gesetze der Physik auf Ewig bestehen, wissen wir nicht.

Das gilt natürlich auch für unsere Ökonomie, Industrien, Dienstleister und die damit verbundenen Tätigkeiten, sprich Arbeitsplätze.

 


Good or bad News?

Wenn einzelne Medien in Artikeln zur 4.Industriellen Revolution, von Beginn weg schon mit Begriffen wie Massenarbeitslosigkeit usw. schwadronieren, dann beruht dies nicht in erster Linie auf seriöser Recherche und einer vertieften Auseinandersetzung mit der Materie, sondern dem Umstand, das Bad-News eben die Verkaufszahlen anheben, und wer zuerst damit rausgeht der profitiert davon.

Diese Meldungen erzeugen natürlich bei vielen Bürgern Angst. Dies ist mehr als verständlich, haben doch die letzten 20-30 Jahre gezeigt, dass eine zunehmende Konzentration von Kapital in den Händen Weniger, wie auch die immensen Vermögenswerte der Pensionsfonds, die alle nach lukrativen Anlagemöglichkeiten suchen, sowie auf der anderen Seite, die zunehmende Konzentration von Produktionsmitteln und Know-how, auch durch Firmenübernahmen / Mergern, in immer grösseren Unternehmens-Konglomeraten, die ihre Aktien als Anlageobjekte anbieten, nicht immer zum Vorteil der Arbeitsplatz-Sicherheit war, denn unter den angekündigten Synergien verstanden einige Manager letztlich die Zusammenlegung von Betriebseinheiten und den damit verbundenen Abbau von Arbeitsplätzen um die Übernahmekosten zu refinanzieren und den Cash-flow für künftige Aktivitäten zu optimieren, damit sie letztlich als Anlage-Option auch im Wettbewerb auch weiterhin das Vertrauen und die Gunst der Anleger geniessen konnten.

Das mag aus betriebswirtschaftlicher Sicht der Unternehmen vielleicht sogar richtig und ein absolutes Gebot der Stunde gewesen sein, um die Zukunft zu sichern, aber bei etlichen Arbeitnehmern blieb die bittere Erfahrung haften, das Veränderung eben auch Verlust des Jobs bedeuten kann.

Hier kann man durchaus auch von einem Paradoxon sprechen, sind die Pensionskassenvermögen, doch die Spareinlagen der Arbeitnehmer, die gleichzeitig durch die oben beschriebenen Zusammenhänge auch betroffen sind, im Volksmund auch bekannt als:

„Die Katze die sich in den eigenen Schwanz beisst“

 


Transfer von Produktionskapazitäten in Billiglohnländer

Das durch neue Technologien oft verschiedene Berufe obsolet werden oder neu ausgerichtet und nachqualifiziert werden müssen, ist unbestritten. Die Verlagerung von Jobs in vom Absatzmarkt weit entfernte Billiglohnländer, steht damit jedoch in keinem Zusammenhang. Es sind immer pekuniäre Fakten, die den Ausschlag geben. Nebst den bereits oben dargestellten Mechanismen die im Zusammenhang der Finanzierung von Unternehmen durch die Emission von Wertschriften gegeben sind, hatten auch immer wiederkehrende Crashs in der Finanzindustrie, eine sehr destruktive Verhaltensänderung der Geschäftsbanken, im Verhältnis zu ihren gewerblichen oder industriellen Kunden, zur Folge.

Jede Dekade hat seit den Siebziger-Jahren auch ihre individuelle Kriese hervorgebracht. In den 70ern die Erdölkriese, in den 80ern die Währungskrisen verursacht durch George Soros & Friends, Turbulenzen bei Silber durch Spekulation der Hunt-Brüder und 1987 der Börsencrash am Black Monday, März 2000 das Platzen der Dotcom-Blase und  2007-2009 die Immobilien & Finanzkriese ausgehend von den USA.

Nach jedem Crash wurden die Bedingungen für Kredite an Unternehmungen etwas mehr erschwert und parallel dazu (auf der Zeitachse) vervielfachte sich das Volumen im Handel von Konsumgütern aus Fernost-Asien, eine Entwicklung welche durch die Einrichtung der ersten Sonder-Wirtschafts-Zone von Shenzhen (ab 1980) in China, angrenzend zu Hongkong, zusätzlich gefördert wurde.

KMU’s konnten dem Druck oft nicht Paroli bieten, wogegen grössere Unternehmen ihre Produktion bei Bedarf in Länder verlagerten, die über ein entsprechend grosses Lohngefälle gegenüber den mit den Produkten bedienten Absatzmärkten aufwiesen.

Der Unterschied in der Bruttogewinnspanne war derart gross, dass sich auch die bedeutend höheren Organisations- und Distributionskosten einpreisen liessen, und selbst bei tieferen Verkaufspreisen noch höhere Netto-Margen erzielt wurden.


Ökologische und wirtschaftliche Folgen:

Dabei vergisst man gerne, dass durch die Fracht-Schifffahrt, die mit bedenklichem Schweröl angetrieben wird, eine unglaubliche Verschmutzung der Weltmeere und der Atmosphäre stattfindet. Gleichzeitig ist es auch ein Irrsinn, wenn durch Innovation in entwickelten traditionellen Industrie-Nationen wie den Ländern Europas oder den USA, Produkte entwickelt werden, die eigene Bevölkerung dann aber von der Herstellung dieser Produkte, zumindest für den eigenen Bedarf, ausgeschlossen wird und man dennoch diesen Markt für den Absatz  benötigt.

Diese Konsumation auf Pump, führt unweigerlich zu einer Verschuldung der Haushalte, sofern dies nicht durch entsprechende Wertschöpfung, mit dem Export anderer, eigener Produkte, ausgeglichen werden kann.


Die 4. Industrielle Revolution:

Disruptive Technologie ist ein Begriff den man, im Kontext zu Industrie 4.0,  in letzter Zeit öfter in den Medien lesen oder hören konnte. Man versteht darunter eine Technologie aber eventuell auch eine Dienstleistung oder Strategie, welche fähig ist, bestehende etablierte Technologien, Produkte oder Dienstleistungen, in kürzester Zeit, zu verdrängen, bestehende Regeln zu zerstören und die Karten im Spiel neu zu mischen.

Welche Wirkung Industrie 4.0 im Einzelfall für einen Industriebetrieb haben kann wird am Beispiel von Harley Davidson, einem der ältesten Motorradherstellern verdeutlicht:

Vor der Umstellung war die Produktions-Durchlaufzeit, für ein entsprechend der Kundenbestellung individualisiertes Motorrad, mindestens 4 Wochen. – Seit der Umstellung kann das selbe Grundmodell in 1200 Varianten bestellt werden und die Produktions-Durchlaufzeit beträgt noch 6 Stunden!


Potentiale von Industrie 4.0:

Die 4.Industrielle Revolution bricht nun traditionelle Möglichkeiten, die praktisch nur bei grösseren Unternehmen vorhanden waren, bis auf die Ebene von Kleinstbetrieben herab:

BigData ermöglicht umfangreiche Recherchen, sowohl fürs Marketing, den Stand der Technik, Patente usw. um gezielt eigene Produkte zu entwickeln, Absatzchancen einzuschätzen, die Logistik mit den Partnern zu optimieren, mit Partnern für Grossaufträge eine virtuelles projekt-orientiertes Unternehmen zu bilden, Netzwerke aufzubauen usw.

In der Herstellung von Produkten bedeutet dies: „Loos-Grösse 1“ ! – Die Herstellung von Produkten in Gross-Serie zur Reduzierung der Grenzkosten und somit tieferer Stückkosten, das war Gestern; der Trend geht in Richtung einzelner, dem individuellen Kunden-Bedürfnis  entsprechenden Produkten. – Industrie 4.0 macht dies möglich.

Wer ein eigenes Produkt entwickelt und patentiert hat, wird für den Export nicht mehr unbedingt das physische Produkt selbst versenden, sondern die Informationen für den Herstellungsprozess mit einem einmaligen Schlüssel, auf die Produktionsanlage eines Partners streamen.  Umgekehrt wird das natürlich ebenso gehen.

Die gefertigten Teile können zusätzlich mit einem geleaserten RFID oder Baarcode versehen werden, was einen Nachbau vielleicht nicht verhindert aber die in Verkehrsetzung ausschliesst, weil im „Internet der Dinge“ auch jedes Bestandteil eines Gerätes oder einer Maschine, durch eine individuelle Identifikations-Nummer gekennzeichnet ist und die entsprechende Betriebs-Software erkennt, wenn kein Orginalteil verbaut wurde.

Konsumgüter, von Medikamenten, Elektronik, Fashion usw. bis zu Lebensmitteln, werden ebenfalls durch fälschungssichere Identifikationsmittel gekennzeichnet, die jeder Konsument mit Hilfe einer App. auf seinem Smartphon verifizieren kann und dazu auch noch sämtliche Informationen zum Produkt, dem Produzenten, den Produktionsmitteln oder den Arbeitbedingungen der Mitarbeiter usw. abrufen kann.

 

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Industrie 4.0 – Entwicklung nach Wirtschaftssektor

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